Veranstaltungen 2013

DEZEMBER 2013: Versammlung mit dem Thema “Vergänglichkeit”
Die Vergänglichkeit ist – dem Buddha Shakyamuni zufolge – eines der Grundmerkmale des Lebens. Am Jahresende ist man meist recht empfänglich für diese Wahrheit – “was, schon wieder ein Jahr vorbei?!” Oft kann einem das Herz schwer werden, wenn man begreift, dass man nichts im Leben halten kann, alles vergehen wird, einschließlich der eigenen Person. Auf der anderen Seite bedeutet Vergänglichkeit aber auch: Das Kind wächst. Im Frühling blühen die Blumen. Schmerz vergeht. Lernerfahrungen sind möglich – und so weiter. Über dieses Thema sprachen wir auf dieser letzten Versammlung des Jahres und tauschten uns aus darüber, was wir verabschiedet haben in 2013 in unserem Leben – und was wir vielleicht auch begrüßt haben, was neu dazu gekommen ist für uns.

„Klein ist der Mensch, der Vergängliches sucht, groß aber, wer das Ewige im Sinn hat.”
Antonius von Padua, Predigten

 

SPIRITUELLER FILMABEND: “Touch the Sound”, 5. Dezember 2013

Filmrolle

Nachdem wir beim letzten Mal in die Stille eintauchten – nun der Klang! “Den Klang berühren” – so beschreibt Evelyn Glennie, als Solo-Perkussionistin ein Weltstar der klassischen Musik, das Hören. Nachdem sie in ihrer Kindheit ihr Gehör weitgehend verlor, hat sie gelernt, anders zu hören, den Körper als Resonanzraum zu nutzen, den Klang zu spüren. Regisseur Thomas Riedelsheimer und Evelyn Glennie begeben sich auf eine Expedition ins Innere dieser Klangwelten, die alle unsere Sinne fordert. Gemeinsam mit Evelyn Glennie und ihren musikalischen Partnern tauchen wir ein in ein faszinierendes Universum, in dem wir beginnen, Bilder zu hören und Klänge zu sehen. Wie schon in Rivers And Tides, seinem vielfach preisgekrönten Film über den Land Art-Künstler Andy Goldsworthy, durchbricht Thomas Riedelsheimer die konventionellen Kategorien der Wahrnehmung und die scheinbare Linearität der Zeit. Im Zusammenspiel der faszinierenden Bilder und der subtilen Tonspur wird Touch The Sound, so die begeisterte Kritik, “zu einer magischen Kinoreise von betörender Sinnlichkeit”.

 

NOVEMBER 2013: Versammlung mit dem Thema “Sich selbst inspirieren – einen neuen Anfang finden”
Ständiger Anfänger-Geist – das wird im Buddhismus betont. Doch solch einen Anfänger-Geist aufrecht zu erhalten, ist gar nicht so einfach, wenn man älter wird. So viel haben wir schon gelernt und erfahren, haben unsere Enttäuschungen einsteckt, unsere Grenzen kennen gelernt. Haben wir überhaupt Lust auf Neuanfänge? Oder lieber nicht? Welchen Bereichen unseres Lebens würde ein Neuanfang gut tun und welchen inneren Widerständen begegnen wir dabei? Wo finden Ressourcen, Kraft und Ideen, um mal wieder einen Schritt in eine unbekannte Richtung zu tun? Wie sieht es in der Spiritualität aus – ist die für uns mittlerweile eine Routine, die uns vielleicht als solche sogar gut tut? Oder gibt es spirituelle Sehnsüchte? Etwas, worauf wir da neugierig sind?

 

SPIRITUELLER FILMABEND | “Die große Stille”, 7. November 2013

Filmrolle

“Die große Stille” ist ein mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Philip Gröning aus dem Jahr 2005, der das Leben in dem Kartäuserkloster La Grande Chartreuse zeigt, in dem die Mönche in fast vollständigem Schweigen leben. Der Film gewann 2006 einen Preis des Sundance Film Festivals und erhielt den Europäischen Filmpreis als bester Dokumentarfilm des Jahres. Die Jury begründete ihre Preis-Entscheidung so: „Philip Grönings nachdenklicher Film berührt die geheimnisvolle Welt des Glaubens und unser Bedürfnis nach Ruhe im Gegensatz zum modernen Leben.“

 

OKTOBER 2013: Versammlung mit dem Thema “Lotussutra-Rezitation – nicht japanisch, sondern deutsch!”
Seit fast 2000 Jahren wird in Asien das Lotussutra rezitiert, das zu den großen Schriften das Mahayana-Buddhismus gehört. Was rezitieren wir da eigentlich genau? Seit einiger Zeit macht Jörg seine Rezitation auf Deutsch. An diesem Abend möchte er uns vorstellen, wie sich das anhört. Außerdem möchte er uns erläutern, welche Überlegungen ihn dazu bewegen und auf einige Passagen eingehen, die sich in der eigenen Sprache noch einmal besser und genauer begreifen lassen. Anschließend tauschen wir uns darüber aus – und dann essen wir was!

 

VORTRAG | Im Rahmen der Buddhistischen Akademie Berlin-Brandenburg

Zeit:      Donnerstag, 31. Oktober, 19 Uhr

Soll ich meine Organe spenden?
Vortrag/Gespräch/Kontemplation

Mit Lisa Freund und Susanne Billig

susanne-billig

Lisa_Freund

Wir informieren über das Thema Hirntod, neuere Entwicklungen, Kontroversen, den Organspendeausweis, stellen kurz Erfahrungen von Organspendern, -Empfängern und Angehörigen vor, erörtern buddhistische Positionen. Danach laden wir ein zum Nachdenken und einem offenen Gespräch über das Thema.

Lotos-Vihara, Neue Blumenstr. 5, 10179 Berlin
Eintritt: 10,- Euro, Ermäßigung möglich

 

SEPTEMBER 2013: Versammlung mit dem Thema “Die Kraft der Unsicherheit”
Unsicherheit, Schüchternheit, Ungewissheit – das sind für uns oft unangenehme Zustände. Um uns im Leben sicher und angstfrei zu fühlen, wünschen wir uns Klarheit, Stabilität, Ausrichtung, soliden Boden unter den Füßen. Vielleicht aber hat die Unsicherheit auch ganz positive, das Leben bereichernde Seiten – darüber möchten wir sprechen. Dazu möchten wir euch unter anderem Gedanken des Physikers Hans-Peter Dürr vorstellen, der in der Ungewissheit ein bedeutsames Tor zur spirituellen Erfahrung sieht. Wie kann das gehen? Und wie können wir persönlich vielleicht einen Zuwachs an Lebendigkeit und Sensibilität aus unserer eigenen Ungewissheit und Unsicherheit ziehen? Bitte bringt gerne eure Gedanken und Erfahrungen dazu mit.

“Jage die Welt – und sie entflieht.
Um die Welt zu verstehen, musst du die Welt aufgeben.
Warte in friedvoller Leere, und sie offenbart sich.”
Aus dem Buch: “Das Tao des Seins” von Ray Grigg 

 

AUGUST 2013: Versammlung mit dem Thema “Kreativität”
Wir sprachen darüber, wo in unserem Leben Kreativität – Wartenkönnen, Zeiten des Nichtwissens überstehen, Eingebungen nachspüren, die erst einmal ohne Ziel und ohne Logik sind – eine wichtige Rolle spielt: in den verschiedenen Arbeiten, denen wir nachgehen, aber auch im persönlichen Leben, psychologisch zum Beispiel im Umgang mit den verschiedenen Seiten und Stimmen der eigenen Person. Auf Grundlage des interessanten Wikipedia-Artikels zum Thema sprachen wir auch über “Kreativitätsblockaden”und unsere Erfahrungen damit- vor allem Angst tötet den spirituellen Impuls, aber auch Perfektionismus, Gefallenwollen. Schließlich banden wir das Thema zurück zur spirituellen Praxis – die Meditation als ein Ort der Weite, der eröffneten Möglichkeiten, der ans Licht gehobenen Schattenseiten und innerer Potentiale.

“Dies ist das Glück des Nomaden: Wer unterwegs ist, der verwurzelt sich mit jedem neuen Schritt. Er hat seinen Platz immer dort, wo er sich gerade befindet. Er frischt die Liebe auf, indem er sich bewegt.”
Drukpa Rinpoche

 

JULI 2013: Versammlung mit dem Thema “Freiheit”  
Das Lexikon unterscheidet zwischen einer “Freiheit des Handelns” und einer “Freiheit des Willens”. Die Freiheit des Handelns wird von äußeren Umständen eingeschränkt – politischen Gegebenheiten, Zwängen, denen wir schwer ausweichen können. Über diese Fragen sprachen wir: Wo gibt es solche Einschränkungen für uns? Wie erleben wir sie, wie gehen wir damit um? Die “Freiheit des Willens” ist die persönliche Seite der Freiheit: Kann ich überhaupt einen freien Willen haben, wenn mein inneres Geschehen von alten Ängsten, karmischen Engheiten noch immer stark geprägt ist? Habe ich das schon einmal bewusst erlebt, dass sich mein eigener Willen unfrei anfühlt? Und ist es mir schon einmal gelungen, meinen Willen zu befreien? Wie ging das vor sich, was habe ich dafür getan? Hat die buddhistische Praxis dabei möglicherweise eine Rolle gespielt?
Alle meine Lehren schmecken nach Freiheit, hat Buddha Shakyamuni gelehrt. Und der buddhistische Mönch und Reformer Nichiren sagte: “Glücklich sein und sich wohlfühlen heißt zu erkennen, dass unser Leben – Körper und Geist, wir selbst wie auch unsere Umgebung – das Wesen von ‘ichinen sanzen’ und der Buddha der absoluten Freiheit sind.” Sind wir der “Buddha der absoluten Freiheit”?

“So wie alle Wasser in den großen Meeren
nur einen einzigen gemeinsamen Geschmack haben
– den Geschmack von Salz -,
so haben auch alle wahrhaftigen Lehren
nur einen einzigen Geschmack
– den Geschmack von Freiheit.”
Buddha Shakyamuni

 

JUNI 2013: Versammlung mit dem Thema “Jesus – der Zenlehrer”
Der chinesisch-amerikanische Zenlehrer Kenneth S. Long hat ein spannendes Buch geschrieben, über das wir sprachen. Darin wirft er einen frischen und überraschenden Blick auf Jesus als spirituellen Lehrer. Das Neue Testament ist voll von rätselhaften Äußerungen und seltsamen Verhaltensweisen Jesus’, die uns in unserer oft christlich geprägten Jugend selten gut erklärt wurden. Doch in der ungewöhnlichen und durchaus mit einem Augenzwinkern vorgebrachten Perspektive von Kenneth S. Leong ergibt das – vielleicht – auf einmal Sinn.

“Jesus sprach: Warum wascht ihr das Äußere der Trinkschale?
Versteht ihr nicht, dass der, der das Innere gemacht hat, auch der ist,
der das Äußere gemacht hat?”
Jesus im (apokryphen) Thomas-Evangelium

 

MAI 2013: Versammlung mit dem Thema “Transformation, Entwicklung, Karma-Änderung – (warum) muss das sein?”  
Der Abend war eine Reflexion über die Frage, ob wir die Buddhaschaft so verwirklichen, wie wir sind – oder wie wir uns erziehen: Warum ist im Zusammenhang mit Spiritualität eigentlich immer von Transformation die Rede? Wie stark muss speziell die buddhistische Praxis gedacht werden als ein Weg zur Veränderung des Karmas? (Und was ist das überhaupt?) Warum können wir nicht einfach so bleiben, wie wir sind? Zumal es ja häufig im Mahayana-Buddhismus heißt: “Die Buddhaschaft so verwirklichen, wie man ist”? In der Reflexion kamen wir unter anderem zu diesem Fazit: Die Selbstverbesserung ist eine Angelegenheit der Psychologie. Es ist gut und tut gut und hilft auch der Umgebung und den Menschen, mit denen man zu tun hat, mit den eigenen Schatten aufzuräumen und die anzusehen und Illusionen, Neurosen, Dummheiten aller Art verabschieden zu lernen. Und wenn man das einige Jahre lang betrieben hat, merkt man, dass “unter dem Blickwinkel der Ewigkeit”, sprituell gesehen, es wohl ziemlich egal ist, wie man so ist. Die ganze Ich-Beschäftigung wird überflüssiger und das schlichte Beiseitelegen all der egobetriebenen Gefühle und Gedanken und das Sich-Öffnen und Ziellos-Werden wird bedeutsamer. Bis ab und zu wieder einmal ein Ego-Schatten auftaucht, der nach Bearbeitung ruft…

“Wenn wir versuchen, unsere Gefühle ins Herz zu schließen,
bevor wie sie körperlich und emotional gewürdigt haben,
laufen wir Gefahr, uns zu betrügen.
Anstatt Frieden, Freude und Liebe haben wir
«Friede, Freude, Eierkuchen»:
eine Scheintransformation.”
Safi Nidiaye, Das Tao des Herzens

 

APRIL 2013: Versammlung mit dem Thema “Einfach nur Chanten? – Reflexion über die Mantra-Rezitation im Nichiren-Buddhismus”
Der Abend war eine Fortsetzung unseres Gespräches über Konzentration in der Meditation. Die frühbuddhistischen und in einigen buddhistischen Schulen bis heute lebendigen Lehren fordern zu überaus strengen Konzentrationsübungen auf – wenn man so will vergleichbar mit eine Art “Leistungssport des Geistes”. Ein Mensch mit normalem Alltagsleben könnte diese Übungen ebensowenig ausführen wie er oder sie sich neben Beruf und sozialem Einbezogensein auf einen Zehnkampf bei den Olympischen Spielen vorbereiten könnte. Nichiren richtete seine Lehren und auch seine Vorschläge zur Meditationspraxis aber ausdrücklich an einfache, nicht ordinierte Menschen. Wir haben reflektiert: Wie mag Nichiren selbst – der tief verwoben war mit dem Tendai-Buddhismus und den traditionellen Formen der Meditation – seine Meditationspraxis gemeint haben? Wie sehr alltagsorientiert? Wie sehr auf Ziele hin gerichtet und auf welche? Wie stark spielten Vorstellungen einer spirituellen Öffnung und Erweiterung fern dem kleinen Ich dabei eine Rolle? Von dort aus kamen wir auf unsere persönlichen Wünsche und Bedürfnisse hinsichtlich unserer eigenen Praxis zu sprechen und entdeckten erstaunliche Unterschiede zwischen uns. Sie reichten von dem Bedürfnis, eher pragmatisch und alltagsorientiert persönliches Leiden zu mindern und sich selbst psychisch und körperlich zu stabilisieren, über den Wunsch, andere Bewusstseinsebenen zu erreichen, bis hin zu Sehnsüchten nach allumfassender Verschmelzung mit dem Urgrund allen Seins. Wir freuten uns über die entdeckte Vielfalt 🙂

“Ein Missstand besteht darin, dass die Schulmeister mit ein und demselben Unterrichtsstoff und nach ein und demselben Maß eine Vielzahl junger Geister von unterschiedlichen Maßen und Begabungen unter ihre Fuchtel nehmen. Empfindungsweise und Seelenstärke der Menschen sind verschieden. Man muss sie daher ihrer Wesensart gemäß auch auf verschiedenen Wegen zu ihrem Besten führen.”
Michel de Montaigne (französischer Philosoph und Essayist, 1533 – 1592)

 

MÄRZ 2013: Versammlung mit dem Thema “Śamatha – ruhiges Verweilen” – Einführung in eine traditionsreiche Form der Meditation (mit Jörg)
Diese sehr alte und schon im frühen Buddhismus praktizierte Form der Meditation soll helfen, den Geist zu konzentrieren, zu stabilisieren und auch bestimmte Charakterqualitäten hervorzubringen. Der Vortrag führte sehr detailliert in Geschichte und Konzepte dieser fordernd-strengen Meditationsform ein, erläuterte die Bedeutung der Vipassana-Praxis (Einsichtsmeditation) und schlug am Ende einen interessanten Bogen zu den Lehren und der Meditationspraxis im Nichiren-Buddhismus, die sich ausdrücklich von der formalen Strenge entfernten, um einfachen Menschen, zum Teil Bauern mit hartem Alltagsleben, zugänglich zu sein.

“Achte nicht auf die Zeit
und nicht auf Recht haben und Unrecht haben.
Schreite ins Reich des Unbegrenzten
und nimm deine Ruhstatt darin.”
Zhuangzi, auch Dschuang Dsi oder Tschuang-tse,
chinesischer Dichter und Philosoph (ca. 365 bis 290 v.u.Z.)

 

 

FEBRUAR 2013: “Ist alles Streben Illusion? Führt alles Nicht-Streben in den Nihilismus?”
Wir knüpften an die vorherige Versammlung an. Dort hatten wir gehört, was der spirituelle Lehrer, oder vielleicht besser “Nicht-Lehrer”, Tony Parsons erklärt: dass es da nichts gibt, was der Suchende finden kann. Dass das Nichts sich in Allem zeigt. Das zu erkennen, bezeichnet er als die Fähigkeit zu Sehen. Dennoch sind wir Menschen mit Eigenschaften ausgestattet, die kreieren wollen, etwas erschaffen wollen, sich ausdrücken wollen. Auch wenn es “nur” dem Bewusstsein der Dualität entspringt, gibt es doch starke Impulse in uns, die sich gestalterisch an der Welt und dem Leben auslassen wollen – und sei es auch “nur” der Wunsch zu heilen, es sich besser gehen zu lassen. Tony Parsons bezeichnet alles das als Illusion. Wir machten uns nun Gedanken über diese Fragen: Wie kann sich Lebenskraft denn ausdrücken, wenn es kein Streben nach irgend etwas mehr gibt? Wie hoch wäre die Gefahr, in einen Nihilismus abzurutschen? Gibt es noch einen anderen, vielleicht dritten Weg zwischen einerseits “Streben, Illusion, vorläufiges Glück” und “Nicht-Streben, Nihilismus, alles egal, Verantwortungs- und Leblosigkeit”?

“‘Gerade zum Ziel führend’ lautet der Name dieses Pfades.
‘Freiheit von Furcht’ heißt das Land, wohin er führt.
Der Streitwagen für diese Fahrt ist der ‘Stille Läufer’,
mit den wohlgefügten Rädern des ernsthaften Bemühens.
‘Bewusstheit’ ist das Stützbrett auf dem Wagen
und ‘Achtgeben’ das Schutzgewand für den Fahrenden.
Was zum Heilsziel hinfährt, heißt der Innere Weg.
‘Treffliche Sichtweisen’ sind die Zugpferde.
Sei es eine Frau, sei es ein Mann:
Wer auch immer mit diesem Streitwagen fährt,
wird damit in die Gegenwart des
vollkommenen Erwachens gelangen.”
Buddha Shakyamuni, aus dem Pali-Kanon

 

JANUAR 2013: “Suchst du noch, oder lebst du schon?”
Von dem Moment an, in dem das Gefühl von Getrenntheit in unser Leben kommt, beginnt die Suche. Wir suchen nach Anerkennung, Selbstvertrauen, glücklichen Beziehungen, Status, mehr Zeit, Erfolg, Gesundheit oder Erleuchtung. Der suchende Mensch ist getrieben von diesem Gefühl, dass etwas fehlt im eigenen Leben. Er geht zu Ärzten, Therapeuten, liest erhellende Bücher, um das Gewünschte zu erlangen. Der spirituell Suchende ist überzeugt, dass es einen erlösenden, vollendeten Zustand zu erreichen gilt. Er geht zu Meditationsgruppen, Priestern, spirituellen Lehrern, die ihm den Weg dorthin zeigen sollen. Doch ist das der Weg? Oder gibt es überhaupt einen Weg? Gibt es überhaupt etwas zu suchen und gibt es etwas zu finden oder zu erlangen?

Der Suchende ist ein Träumer, er lebt in einer Illusion der Getrenntheit. Zu erwachen hat nichts damit zu tun etwas zu finden und erlangen. Erleuchtung hat damit zu tun, etwas zu verlieren.

Über diese These des britischen Satsang-“Lehrers” Tony Parsons haben wir uns – durchaus kontrovers und sehr angeregt – ausgetauscht und möchten weiter dranbleiben und auch der Irritation nachspüren, die diese Nicht-Lehre innerlich auslösen kann.

“Wir üben Zazen (stilles Sitzen) mit dem Ziel,
Satori (Erleuchtung) zu haben, nicht wahr?
Dummes Zeug!
Willst du selbst für Zazen noch Trinkgeld haben?
Wenigstens Zazen solltest du einfach und umsonst tun.
Wenn man mich fragt, wofür Zazen gut ist,
sage ich, dass es gut für nichts ist.
Und dann heißt es:
‘Wenn es gut für nichts ist, lass ich es lieber bleiben!’
Die Frage ist, was ist überhaupt gut für irgend etwas?”
Kodo Sawaki, japanischer Zen-Lehrer