Veranstaltungen 2015

 

NOVEMBER 2015: Versammlung mit dem Thema “Yogananda”

Paramahamsa Yogananda war ein indischer Yoga-Meister, Philosoph und Schriftsteller. Wir sprachen über seine Autobiografie und machten uns mit seiner Gedankenwelt und seinen spirituellen Erkenntnissen vertraut.

 


AUSFLUG: Im Oktober fuhren wir auch zusammen auf einen Ausflug nach Linum, um dort erst ein bisschen zu wandern und dann die Kraniche zu beobachten.

Hier ein kleiner Handy-Film:

 


 

OKTOBER 2015: Versammlung mit dem Thema “Gleichmut”

Ein buddhistischer “Klassiker” – allerdings für viele von uns in japanischer Tradition, die Zielrichtung und Entschlossenheit stärker betont, selten studiert. Aber wir fanden es interessant.

Diese Erläuterung diente als Grundlage für unser Gespräch:

Gleichmut ist ein selbstloser, nicht-anhaftender Geisteszustand, der einen Menschen davon abhält, negative Taten zu begehen. Gleichmut ist die Grundlage für unbedingte, altruistische Liebe, Mitfühlen und Freude für andere. Wenn wir zwischen Freunden und Feinden unterscheiden, wie wollen wir dann jemals allen fühlenden Wesen hilfreich sein?

Die Definition im Buddhismus ist: Nicht unterscheiden zwischen Freund, Feind oder Fremden, sondern statt dessen jedes Lebewesen als gleich zu betrachten. Es handelt sich dabei um einen klar-geistigen, friedlichen Geisteszustand, der nicht überwältigt ist von Verwirrungen, Trägheit oder zu starker Aktivität.

Der „nahe Feind“ ist: Undifferenziertheit. Man ist versucht zu denken, dass „sich nicht zu kümmern“ Gleichmut darstellt. Aber das wäre nur eine Form des Egoismus.

Das Gegenteil ist: Ängstlichkeit, Sorge, Stress und Paraneua, die dadurch verursacht werden, dass man Wesen einteilt in „gut“ und „schlecht“; jemand könnte sich beispielsweise für immer sorgen, wenn er einen guten Freund für eine schlechte Person hält, obwohl der gute Freund überhaupt keine schlechte Person ist, und damit die Freundschaft und das Vertrauen zerstören.

Das Ergebnis, das es zu vermeiden gilt, ist: Apathie.

ZITAT: “Es wird gesagt, dass das Gewahrsein eines Buddha vollkommen eben sei; wie der Ozean; das Leiden und die Freude der Wesen gleichermaßen annehmend: von Freunden, Geliebten, Feinden und Personen, die er noch niemals getroffen hat. Das ist ein Aussage, die schon sehr häufig von großen spirituellen Lehrerinnen und Lehrern aller Religionen gemacht worden ist: „Liebt Eure Feinde.“ Es bedeutet nicht, die Person zu lieben, die man hasst. Das kann man nicht tun. Es bedeutet, jene zu lieben, die einen hassen.” (Aus: Buddhism with an Attitude: The Tibetan Seven-Point Mind-Training’)

 


 

OKTOBER 2015: Versammlung mit dem Thema “Was bedeutet eigentlich: die eigene Buddhaschaft verwirklichen?”

Hier einige Zitate, die uns als Anregung für unseren Austausch dienten:

Der tibetische Lehrer Lopön Tsechu Rinpoche: „Buddha Shakyamuni war nicht von Anfang an ein Buddha und er wurde es auch nicht ohne Grund. Er ging schon in früheren Leben einen geistigen Weg, auf dem er den sogenannten Erleuchtungsgeist entwickelte, den Wunsch Erleuchtung zu erreichen, um alle Wesen zur Buddhaschaft zu führen. Diese Einstellung führte dazu, dass er dann unendlich viel positives Verdienst ansammelte und seinen Geist von Schleiern, Verdunkelungen und von negativem Karma reinigte. So wurde er fähig, sein inneres Potential, die Buddhaschaft, voll zu verwirklichen. Das Entwickeln des Erleuchtungsgeistes ist ganz wesentlich für jede Ebene von Dharmapraxis. Ob wir Belehrungen bekommen, eine Verbeugung machen, eine Kerze darbringen, ein Mantra rezitieren – es sollte immer mit dieser richtigen Motivation geschehen. Im Moment sind wir ja noch nicht fähig, anderen zum Zustand der Buddhaschaft zu verhelfen. Deswegen sollte unserer geistigen Praxis der Wunsch vorangehen, fähig zu werden, alle Wesen zu diesem Zustand der Vollkommenheit, der Verwirklichung des eigenen Potenzials – zur Buddhaschaft – zu führen.”

Giulio Cesare Giacobbe, Philosoph, Psychologe, Buddhist: „Ein Buddha ist ein Mensch, einer von uns, der ein höchstpersönliches Leiden überwunden hat. Er leidet nicht mehr, er gerät nicht mehr in Wut, er empfindet keinen Hass mehr. Er kennt keine Eifersucht, keinen Neid, keine Missgunst. Auch kein Begehren, keine Gier, keinen Egoismus. … Er gibt negativen Gefühlen keine Nahrung mehr. – Wachsen lässt er nur noch positive Gefühle von Gelassenheit, innerem Frieden, Heiterkeit, Freude, Harmonie und Liebe.”

Ludger Tenryu Tenbreul, Zen-Buddhist: “Wie viele Leben braucht man, um Buddhaschaft zu erlangen? Wenn der Geist sich in solche Fragen verstrickt, schließt er sich selbst ein in eine Sackgasse, in eine Blase und erstickt darin. … Wie viele Leben braucht man, um Buddhaschaft zu verwirklichen? Welches Maß hat ein Leben? Ist es ein Augenblick oder eine Ansammlung von Augenblicken? Viele Augenblicke können in einem Augenblick enthalten sein, viele Leben in einem leben. … Wenn das Leben dieser umfassende Augenblick wird, ist Buddhaschaft jetzt verwirklicht, jenseits der Vorstellung von ‘etwas erreichen’. Wenn es viele Leben dauert, um Buddhaschaft zu verwirklichen, dann ist die Dauer selbst, die ohne Anfang oder Ende ist, der ewige Weg, der sich Moment für Moment aktualisiert.”

Yoshiharu Matsuno, Lehrer aus dem Nichiren-Buddhismus: “Schon immer haben Buddhisten versucht, durch besondere Praktiken ihre ursprüngliche Buddhanatur, das kosmische Leben oder eben den «neunten Sinn» in sich zu öffnen. Nichiren hat der Buddhanatur zum ersten Mal einen Namen gegeben. Dieser Name ist «Nam-Myoho-Renge-Kyo». Indem wir für den ursprünglichen Buddhazustand in uns einen Namen bekommen haben, haben wir auch die Möglichkeit, den Buddhazustand mit Namen anzusprechen. Das ist ein großer Vorteil, denn vor Nichiren war es nicht so einfach, die Buddhaschaft anzusprechen und zu öffnen. Die Gläubigen haben manchmal mit Kasteiungen oder lebensgefährlichen Bemühungen versucht, Unsterblichkeit oder das kosmische Leben zu erfahren. Nichiren hat mit der Anrufung von Nam-Nam-Myoho-Renge-Kyo eine Möglichkeit gefunden, jeden Menschen die Buddhaschaft erfahren zu lassen. Mit Logik und Vernunft kann man den Buddhazustand eben nicht begreifen und darum auch nicht mit Worten erschöpfend erklären. Selbst wenn man denkt, man hat es verstanden – wenn das nur ein Gedanke ist, dann hat man es nicht verstanden. Man muss die Buddhaschaft verwirklichen, dann hat man verstanden, was das ist. Vielleicht hilft uns aber ein Bild weiter: Wenn man die zehn Seinszustände mit einem Orchester vergleicht, dann sind die ersten neun Welten hörbar und sichtbar – wie die Musiker im Orchester: Sie haben eigene Musikinstrumente, eigene Ausdrucksmöglichkeiten. Ein Buddha tritt aber als Dirigent auf. Seine Musik ist nicht direkt zu hören, sondern er inspiriert die neun Musiker zu einer ganz besonderen Harmonie, einer «Buddha-Symphonie». Wenn man diesen Dirigenten im eigenen Leben nicht entdeckt und nicht dirigieren lässt, dann spielen im Orchester entweder alle durcheinander oder Hunger, Ärger oder Beschaulichkeit übernehmen den Platz des Dirigenten. Dann spielt das ganze Orchester ständig Hunger- oder Ärger- oder Beschaulichkeits-Lieder! Gleichzeitig ist man sich dessen aber nicht bewusst, weil man das eigene Leben gar nicht genau genug ansieht und versteht. Das ist der Unterschied zwischen einem Leben mit oder ohne Gohonzon : Wer ernsthaft vor dem Gohonzon praktiziert, fängt an zu verstehen, wie das eigene Leben funktioniert, und aktiviert den «Buddha-Dirigenten».”

 


 

SEPTEMBER 2015: Versammlung mit dem Thema ““Wiedergeburt in jedem Moment”

ZITAT: “Im Westen, aber auch im Osten verstehen die Menschen unter Wiedergeburt zweierlei: Erstens fände sie nach dem Tod statt und zweitens würde ein Mensch wieder ein Mensch. …  Für mich gibt es ein Leben nach dem Tod, Wiedergeburt jedoch nicht. Das Wort Wiedergeburt kommt aus den indischen Sprachen. Der Begriff existiert im Buddhismus nicht. Buddha verwendet stattdessen das Wort ‚Wiederwerden’. Die Wiedergeburtslehre besteht in Verbindung mit einer Person und einer Seele. Beides gibt es nicht. … In Wirklichkeit ist Wiedergeburt, Wiederdasein, nicht nach dem Tod. Wiedergeburt findet in jedem Moment statt. … In jedem Moment und in jeder Sekunde wird man geboren und stirbt auch wieder. Fände dieser Prozess nicht statt, würde der Mensch nicht alt werden. Der Prozess muss stattfinden: Tod, Geborenwerden, Sterben, Tod, Geborenwerden – dies findet Milliarden Male in uns statt. Wenn eine Sekunde vergeht, erlebt der Mensch ein neues Leben. “ (Der Theravada-Mönch Bhante Seelawansa)

Das ist ein interessantes Zitat, wir sprachen darüber. Wiederwerden in jedem Moment – wie können wir deutlicher spüren und bewusster wahrnehmen, dass wir nicht das eine Mal sterben und das eine Mal (hoffentlich, vielleicht, lieber nicht, je nach Grundstimmung) wiedergeboren werden – sondern in jedem Augenblick? Was könnte es für unseren Umgang mit der eigenen Sterblichkeit bedeuten, wenn wir noch stärker vertraut werden mit dem “Wiederwerden in jedem Moment”?

 


 

AUGUST 2015: Versammlung mit dem Thema “Herausforderungen und Versuchungen”

Ablauf: Musik-Meditation (ca. 40 Minuten), danach Thema mit Austausch, anschließend gemeinsames Abendessen

Wir haben über dieses Thema gar nicht gesprochen, weil uns das Gespräch ganz schnell woandershin trieb. Aber wir können es uns für eines der nächsten Treffen vormerken…

Für einige von uns ist es neu, sich mit Buddhismus und/oder Spiritualität persönlich auseinander zu setzen. Viele von uns sind schon seit vielen Jahren dabei. Im Licht der Zitate unten – die durchaus diskussionswürdig sind und denen wir vielleicht nicht ganz zustimmen möchten – können wir darüber sprechen, was uns herausfordernd, schwierig, möglicherweise als ungute Versuchung erscheint auf diesem Weg. Desinteresse? Faulheit? Sich im Alltag verlieren? Dann doch nicht glauben können, dass es möglich wäre, eine noch substanzielle innere Öffnungen zu erfahren? Dass wir uns begnügen mit dem, was vielleicht schon Gutes passiert ist in unserem Leben durch die Spiritualität und den Buddhismus und keine Neugier mehr darauf zu verspüren, weitere Türen zu öffnen? Einige von uns sind schon etliche Jahre buddhistisch und/oder spirituell unterwegs – haben sich die Herausforderungen, die Praxis aufrecht zu erhalten, im Laufe der Zeit eigentlich verändert? Wie gehen wir um mit unseren “Versuchungen”?
ZITATE ÜBER DIE WIR SPRECHEN KÖNNEN:

“Je höher Ihr spiritueller Entwicklungsstand ist, desto stärker werden Sie von Versuchungen bedrängt; je weiter Ihre eigene Verfeinerung fortschreitet, desto raffinierter werden die Versuchungen. Das geht schier endlos so weiter. Genau das kommt zum Ausdruck in den Angriffen der Maras auf den Buddha. Dieser Punkt ist, was die eigene persönliche Erfahrung angeht, in gewisser Weise die höchste Entwicklungsstufe in der Welt der Hungrigen Geister. Deshalb müssen die Maras kommen, und deshalb sind die Versuchungen notwendig. Erst durch sie wird der Unterschied zwischen wach und verblendet wirklich klar.”
(Chögyam Trungpa, tibetisch-buddhistischer Meister, aus dem Buch “Die Insel des Jetzt im Strom der Zeit”)

“Betrachte Meditation als Teil deines Lebens, als etwas, das du niemals aufgeben wirst. Du musst nicht in der einen Sitzung alles richtig machen.”
(Rigdzin Shikpo, buddhistischer Meditationslehrer)

“Einige fordern, dass die Praxis ‘natürlich’ sein soll. Sie beklagen sich, dass der Weg der Meditation nicht ihrer ‘Natur’ entspreche. Wenn sich der menschliche Geist seinen ‘natürlichen Impulsen’ überlässt, untrainiert, herrschen Verlangen, Hass oder Verwirrung. Dann folgt Leiden. Mit der inneren Praxis erlauben wir unserer tiefen Weisheit oder Liebe hervorzuwachsen, bis sie unter allen Bedingungen natürlich erblüht.”
(Ajahn Chah, Theravada-Lehrer)

 


 

AUGUST 2015: Versammlung mit dem Thema „Selbst-Mitgefühl“

Ablauf: Geleitete Stille Meditation (ca. 40 Minuten), danach Thema mit Austausch, anschließend gemeinsames Abendessen

Das Wort Mitgefühl scheint sich vor allem auf unsere Haltung anderen gegenüber zu beziehen. Doch der Buddhismus betont auch die Bedeutung des Mitgefühls mit sich selbst. Zwei Zitate brachten uns in ein Gespräch über dieses Thema und unsere eigenen Erfahrungen:

So schreibt die Meditationslehrerin Christine Brähler:
“Narzissmus bedeutet aus Scham und Minderwertigkeit heraus seinen Selbstwert zu erhöhen, indem man andere abwertet oder versucht von anderen bewundert zu werden. Andere abzuwerten, um sich selbst aufzuwerten, trennt und isoliert uns voneinander. Man fühlt für die anderen nicht mehr mit, sondern steht im Wettbewerb oder empfindet Verachtung. Aufmerksamkeit, Gedanken und Handlungen sind darauf ausgerichtet, den eigenen Selbstwert anzuheben, indem man sich als besonders oder besser inszeniert. Beim Narzissmus ist man vorwiegend auf sich selbst fokussiert – also egozentrisch. Beim Selbstmitgefühl werden wir uns unserer Stärken und Schwächen bewusst. Wir schätzen unsere Stärken, sind dankbar für die Menschen, die uns geholfen haben, diese zu entwickeln, so dass wir uns an den Stärken anderer mitfreuen können. Wir erkennen auch unsere Schwächen, Grenzen oder Minderwertigkeitsgefühle an und umsorgen liebevoll das Leid, was diese uns vielleicht verursachen. Wir erkennen an, dass wir, wie alle Menschen, wertvoll, aber auch unvollkommen sind und wir uns darin mit anderen Menschen verbunden fühlen können.”
Hier ein zweites Zitat von der Webseite der buddhistischen Gemeinschaft Triratna:
“Es ist es nicht leicht, ein Mensch zu sein. Das war es nie und wird es auch nie sein. Es ist schwer, sich Glück und Freiheit von Leiden zu wünschen in einem Universum, in dem Glück flüchtig und Leiden überall ist. Verletzlichkeit anzuerkennen öffnet das Herz. …
Für viele kann es schmerzlich sein, ihren Widerstand zu durchbrechen und anzunehmen, dass Glück (was auch immer das im Einzelfall bedeuten mag) eine würdige Motivation, ein sinnvolles Ziel ist.
Es gibt Schichten in unserem Erleben von Schuld, die nur entstanden sind, um genau diese Einsicht zu verhindern. Und diese Schichten abzutragen, kann sehr schmerzvoll sein. Es kann schwer sein, das Gefühl von Verletzlichkeit anzunehmen, da wir leicht Verwundbarkeit mit Schwäche verwechseln können und deshalb versuchen, dieses Gefühl vor uns und anderen zu verstecken.
Aber … wenn wir so tun, als würden wir nicht leiden, als wäre alles in unserem Leben in Ordnung, dann werden unsere Schutzmechanismen zu einer Abwehr, die andere verletzt. Dann werden wir stumpf, gefühllos und kalt und werden unwillig, die Verletzbarkeit anderer zu sehen. Im schlimmsten Fall verachten wir die Zerbrechlichkeit anderer.
Unsere eigenen zarten, fragilen Wünsche nach Glück und Freiheit von Leiden anzunehmen, ist der Beginn wahren Mitgefühls. Und letzten Endes gibt es keine Unterscheidung in Selbstmitgefühl und Mitgefühl mit anderen, sondern nur Mitgefühl.”

Über diese Zitate haben wir lange gesprochen.

 


 

JULI 2015: Versammlung mit dem Thema „Mitten im Trubel und außerhalb“

Lotussutra-Rezitation von 19-19.40 Uhr, danach Thema mit Austausch, anschließend Büffet

Der tibetisch-buddhistische Lehrer Drukpa Rinpoche schreibt:
„Löse dich von der Welt, ohne deine Wünsche aufzugeben. Halte dich auf Distanz zur Welt, ohne die Welt zu verlassen, sei mitten im Trubel und doch außerhalb des Trubels. Auf diese Weise nimmt man voll am Leben teil, ohne in seine Fallen zu tappen.“

Da steckt viel drin in diesem Zitat. Wie soll man sich lösen, ohne Wünsche aufzugeben? Und warum überhaupt soll man sie nicht aufgeben?  Wie ist man mitten im Trubel und gleichzeitig außerhalb – und wofür ist das gut? Voll am Leben teilnehmen – tun wir das? Tun wir es, ohne in die Fallen des Lebens zu tappen? Was wären diese Fallen…? Und wie immer: Inwiefern hilft die buddhistische Praxis, solche Kunststücke in die Tat umzusetzen? Darüber haben wir uns ausgetauscht.


 

JUNI 2015: Versammlung mit dem Thema “Wissen / Nicht-Wissen”

Musikmediation von 19-19.40 Uhr, danach Thema mit Austausch, anschließend Abendessen

Der vietnamesische buddhistische Meister Thich Nath Hanh schreibt:
“Man ist im Buddhismus der Auffassung, das Wissen sei das größte Hindernis für das Erwachen. Wenn wir in der Falle unseres Wissens sitzen, haben wir keine Möglichkeit mehr, ihr zu entrinnen und das Erwachen zu erfahren.”
Über dieses Zitat tauschten wir uns aus: Warum ist uns unser Wissen so wichtig? Warum könnte es gut sein, Wissen loszuwerden und loszulassen? Haben wir die “Falle des Wissens” schon einmal schmerzhaft gespürt? In welcher Situation und warum tat das weh? Und wie kamen wir wieder hinaus? Was liegt jenseits des Wissens oder wäre davon unabhängig? Gibt es Arten zu wissen, die uns vielleicht nicht in der Falle festhalten? Wie würden die aussehen, wie könnte man die kultivieren?

 


MAI 2015: Versammlung mit dem Thema “Rückverbindung”

Stille geleitete Meditation, danach Thema mit Austausch, anschließend Abendessen

In dem Wort “Religion” steckt die Bedeutung, sich zurück (re) zu verbinden (ligare). Gemeint ist – je nach eigenem Glauben und eigener Ausrichtung -, sich an das Absolute, das Tiefere oder Höhere, das Umfassendere, die Weite des eigenen Bewusstseins oder die Ebene der Transzendenz, an Gott oder die Buddhanatur rückzuverbinden. Unsere Themen an diesem Abend waren: Erleben wir unsere Spiritualität als Rückverbindung? Wann gelingt es uns, dieses Gefühl der Rückverbindung in uns zu erzeugen? Oder gar eine ganze Lebenshaltung der Rückverbindung? Gibt es besondere Situationen oder Verfahren, ist es das Gebet, die Gemeinschaftlichkeit, die Natur, eine bestimmte spirituelle Form oder Methode, die es uns erlaubt, uns rückzuverbinden? Und wie würden wir selbst diese Ebene bezeichnen, aus der wir vielleicht entsprungen sind, in die wir vielleicht zurückkehren?

 


 

APRIL 2015: Versammlung mit dem Thema “Loslassen”

Auf dem vormaligen Treffen war der Wunsch aufgekommen, einmal wieder über dieses Thema zu sprechen – der beliebte buddhistische Klassiker. Warum loslassen, was loslassen, wie loslassen? Es gab einen kleinen Impulsvortrag mit einigen grundsätzlichen buddhistischen Aspekten, danach sprachen wir in der Runde über unsere Gedanken und Erfahrungen.

 


 

MÄRZ 2015: Versammlung mit dem Thema “Woran ich mich gebunden fühle”

Musikmediation von 19-19.40 Uhr, danach Thema mit Austausch, anschließend Abendessen

Vor kurzem hielt Susanne im Rahmen der Buddhistischen Akademie einen Vortrag zum Thema Freiheit gehalten – und ihr wurde auf interessante Weise klar, wie eng Freiheit und Bindung/Verpflichtung zusammenhängen. Davon hat sie erzählt. Anschließend tauschten wir uns aus: Woran fühlen wir uns innerlich gebunden – an welche Menschen, welche Werte, welche inneren Zusagen? Wie kommt es zu solchen inneren Commitments und Verpflichtungen, woher rühren sie? Haben wir schon einmal versucht, uns zu verpflichten – und die Konstruktion blieb künstlich, hielt nicht lange? Die Bindungen, die halten – haben wir uns die aktiv, freiwillig selbst ausgesucht, oder sind sie “über uns gekommen”? Wie sieht es mit unserer Verpflichtung zum spirituellen Wachstum aus – gilt das für uns, können wir damit etwas anfangen? Oder würden wir das anders formulieren – wie und warum? Ein spannendes Thema – wir trugen wie immer unsere Lesefrüchte, Gedanken und Erfahrungen zusammen.

 


 

MÄRZ 2015: Versammlung mit dem Thema “Alte Abmachungen zurückgeben”, davor stille Meditation

Haben wir früher einmal Abmachungen getroffen, die uns heute belasten, weil sie gar nicht mehr stimmen für unser Leben? Zum Beispiel: Den Mund zu halten, wenn uns etwas verletzt, damit wir anderen keine Schwierigkeiten bereiten? Immer perfekt zu sein, damit andere froh und zufrieden sind? Ständig eine Haltung der Verteidigung und aggressiven Abwehr einzunehmen, damit wir uns wenigstens selbst beschützen? …. Was sind unsere alten Abmachungen? Welche davon würde wir gerne lockern oder sogar verabschieden? Buddhistisch steht hier das Thema “Erkenne dich selbst, lasse alte Muster los” im Raum.
Der Themenvorschlag stammte von Carsten, der uns das unten stehende Zitat als Anregung gab und auf der Versammlung erzählte, warum ihn das Thema gerade so beschäftigt. Gemeinsam erkundeten wir die spirituelle/buddhistische Dimension des Anliegens.

ZITAT
“Warum aber versäumen wir das Leben? Warum altern wir ohne reif zu werden? Irgendwo bist du auf eine falsche Spur geraten – irgendwie warst du aber auch bereit, dich auf eine falsche Spur bringen zu lassen. Du darfst nicht länger damit einverstanden sein; diese Abmachung muss gebrochen werden. Schon seit frühester Kindheit musstest du Kompromisse machen. Du warst bereit, jemand anders zu sein als du selbst. Die Mutter wollte, dass du dies wirst, der Vater wollte, dass du das wirst, die Gesellschaft wollte, dass etwas aus dir wird, und du hast brav mitgemacht. Im Laufe der jahre hast du beschlossen, nicht du selbst zu sein. Du kannst nicht reifen, da dieses andere nicht reifen kann. Es ist nicht echt. Du kannst nur wachsen, wenn du dich akzeptierst und beschließt, nur du selbst zu sein, nichts anderes. Du bist nicht hier, um die Erwartungen anderer zu erfüllen, aber genau das versucht jeder. Dein Vater ist vielleicht längst tot, aber du versuchst immer noch, ein Versprechen zu erfüllen, das du ihm gegeben hast. Fasse einfach den Entschluss: Ich werde nur noch ich selbst sein und niemand anderes. Egal, um welchen Preis, ich werde ich selbst sein. Im selben Moment wirst du eine große Veränderung wahrnehmen. Du wirst dich sehr lebendig fühlen. Du wirst spüren, wie Energie in dich hineinströmt, in dir pulsiert.” (Osho, Vom Leben und vom Sterben, Zusammenfassung Seite 151/152 )

 


 

FEBRUAR 2015: Spiritueller Filmabend – Marina Abramović: The Artist Is Present Regie: Matthew Akers, 105 Minuten, 2012

FilmrolleEin spannender Dokumentarfilm über Kunst, Show, Verführung, aber auch über Grenzüberschreitung, Hingabe und Spiritualität. Marina Abramović hat sich für ihre Kunst Messer in die Finger gerammt, sie ist durch Flammen gesprungen, einmal lief sie 2500 Kilometer der Chinesischen Mauer ab. Ihren größten Erfolg aber feierte sie, als sie sich vor einigen Jahren im New Yorker MoMA auf einen Stuhl setzte und nichts anderes tat, als denen in die Augen zu schauen, die ihr gegenüber Platz nahmen. 90 Tage lang, sechs Tage in der Woche, immer sieben Stunden am Stück. Ohne Pause, ohne zu essen, zu trinken, zu sprechen.

Seit mehr als vierzig Jahren definiert Marina Abramović den Begriff “Kunst” immer wieder neu. Sie erschafft Performances, die fordern, schockieren und bewegen und gebraucht ihren Körper dabei als Werkzeug, um sich selbst und ihr Publikum an ihre physischen und psychischen Grenzen – und darüber hinaus – zu bringen.

Die Dokumentarfilmer beleuchten die Welt der Marina Abramović und zeigen sie während der Vorbereitungen einer ihrer wichtigsten Ausstellungen: einer großen Retrospektive ihrer Arbeiten im Museum of Modern Art in New York.

TRAILER: https://www.youtube.com/watch?v=boYV8KzqSfk

 


 

JANUAR 2015: Versammlung mit dem Thema “Wer ist anders, wer ist fremd?”, davor geleitete stille Meditation

Eigentlich ruft der Beginn eines neues Jahres immer nach den optimischen Themen Neubeginn, Aufbruch, Lebensziele. Trotzdem bildete dieses Jahr ein anderes Thema den Auftakt – unter dem Eindruck der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit und religiösen Intoleranz. Auf der Versammlung betrachteten wir das Thema allerdings nicht so sehr politisch, sondern befragten unser persönliches Erleben und in unsere Erfahrungen. Kann jemand sich fremd fühlen, ohne dass jemand anders dieses Empfinden mit erzeugt? Weiß ich, wie vertraut oder fremd ein anderer Mensch ist, allein vom äußeren Anschein, also ohne dass ich es von diesem Menschen selbst zu wissen bekomme? Welche Erfahrungen habe ich persönlich gemacht mit Anderssein, Fremdsein? Welche Rolle spielten andere in diesem Prozess? Und was habe ich daraus vielleicht gelernt? Wo weise ich selbst anderen Menschen Bereiche des Dazugehörens und des Andersseins zu, vielleicht mehr, als ich das eigentlich gut finde und möchte? Welche Gegenmittel probiere ich aus? Und weg von der Psychologie, hin zur Spiritualität: Angenommen, wir sind “alle eins” – wo gibt es dann einen guten, sinnvollen Platz für Unterschiede und Differenz? Diese und andere Fragen leiteten unser Gespräch.